Stadtbaudirektor DI Bernhard Jarolim: „Ich habe an der Universität für Bodenkultur das Studium der Landschaftsökologie und Landschaftsgestaltung absolviert. Den breiten, interdisziplinären Ansatz an der BOKU habe ich schon damals sehr geschätzt und diese Herangehensweise ist mir auch beruflich immer sehr zugutegekommen.
Im Jahr 1995 habe ich bei der Stadt Wien zu arbeiten begonnen. Ab 2010 durfte ich die MA 25 – Technische Stadterneuerung leiten. 2017 folgte der Wechsel in die Baudirektion, die ich seit August vorigen Jahres als Wiener Stadtbaudirektor führe.
In meiner Freizeit bin ich gerne sportlich unterwegs, bevorzugt an der frischen Luft – sei es nun auf Ski oder bei ausgedehnten Radtouren. Das gibt mir die nötige Energie und Ausgeglichenheit für die Herausforderungen im Arbeitsleben.“
Wo sind Sie beruflich tätig und was sind Ihre Aufgaben?
„Ich arbeite für die Stadt Wien und habe mit 1. August 2021 die Funktion als Wiener Stadtbaudirektor übernommen. Damit obliegt mir die Verantwortung für den gesamten Geschäftsbereich Bauten und Technik. Etwas plastischer ausgedrückt: meine Aufgabe liegt in der Koordination und Steuerung aller technischen Agenden in der „gebauten Stadt“.
In diesem Zusammenhang werden auch Themen wie Kreislaufwirtschaft im Bauwesen oder die Anpassung der städtischen Infrastruktur an den Klimawandel immer bedeutender. Das Bewusstsein dafür ist in der Politik angekommen.
In der Stadtverwaltung arbeiten wir an der effizienten Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen mit dem Ziel, Wien als qualitativ hochwertigen, urbanen Lebensraum zu gestalten.“
Wann haben Sie den ANKÖ zum ersten Mal kennengelernt bzw. wann hatten Sie zum ersten Mal mit dem ANKÖ zu tun?
„Mein erster Kontakt mit dem ANKÖ ist rund 10 Jahre her. Damals war ich noch Leiter der Magistratsabteilung Technische Stadterneuerung.
Wir haben verschiedene Ausschreibungen und Vergaben durchgeführt, etwa für Gebietsbetreuungen oder bei erforderlichen Arbeiten für bauliche Ersatzmaßnahmen. Der ANKÖ und seine angebotenen Services waren für uns dabei sehr hilfreich.“
Was hat Sie dazu bewogen, die Funktion des Vorstandsvorsitzenden des ANKÖ zu übernehmen?
„Als Baudirektion sind wir für alle Fachabteilungen des Bereichs Bauten und Technik zuständig. Diese Dienststellen realisieren umfangreiche Infrastrukturarbeiten und müssen daher die entsprechenden Vergaben durchführen.
Für die Stadt Wien und speziell für mich als Baudirektor ist es äußerst wichtig, dass diese oft komplexen Verfahren korrekt und zügig abgewickelt werden können. Der ANKÖ leistet einen großen Beitrag zur modernen und transparenten Bearbeitung der verschiedenen Vergabethemen und ist ein zuverlässiger Begleiter. Daher ist es mir ein Anliegen, diese wichtige Einrichtung zu unterstützen.“
Was ist für Sie die größte Herausforderung in Ihrer Funktion als Vorstandsvorsitzender des ANKÖ?
„Der ANKÖ hat in den rund 20 Jahren seines Bestehens eine beeindruckende Entwicklung durchgemacht und gewissermaßen Pionierarbeit für den Bereich der öffentlichen Auftragsvergabe geleistet.
Lag der Fokus zu Beginn auf der Bereitstellung von Eignungsnachweisen, so hat sich der ANKÖ über die Jahre zu einem Komplettanbieter gewandelt. Mittlerweile ist der ANKÖ Marktführer in Österreich im Bereich e-Vergabe und bietet eine Vielzahl an Services.
Die großen Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit spielen nicht nur für uns als Stadtverwaltung eine wichtige Rolle, sondern auch in der Arbeit des ANKÖ. Nachhaltige öffentliche Beschaffung erhält einen zunehmend höheren Stellenwert und wird zu einer grundlegenden Anforderung.
Hier liegt viel Potenzial in der Bewusstseinsbildung und weiteren Prozessgestaltung. Mit Blick auf die Liste geeigneter Unternehmen (LgU), die Österreichs einzige Datenbank für Eignungsnachweise gemäß Bundesvergabegesetz ist, wäre der Status einer nationalen Datenbank erstrebenswert. Aus Sicht der Stadt Wien sind die Anforderungen dafür erfüllt.“
Was sind aus Ihrer Sicht die größten Erfolge des ANKÖ bisher?
„Die Liste geeigneter Unternehmen (LgU) ist an sich schon eine Erfolgsgeschichte. Die Nutzung der Eignungsnachweisdatenbank ist ausgesprochen anwender:innenfreundlich und dabei sicher. Von einem Unternehmen einmal hinterlegte Dokumente können für mehrere Vergabeverfahren genutzt und mehrfach von der öffentlichen Hand abgefragt werden. Die Eignung wird lückenlos dokumentiert, das spart Zeit und reduziert den Aufwand.
Die Digitalisierung des gesamten Vergabeprozesses in der e-Vergabe+ möchte ich hier ebenfalls hervorheben. Diese Anwendung gewährleistet einen transparenten, sicheren Verfahrensablauf und hat eine integrierte Schnittstelle zur LgU. Gleichzeitig werden alle Dokumentationspflichten erfüllt. Zukunftsweisende Services wie dieses sichern die Kund:innenzufriedenheit und untermauern die Marktposition des ANKÖ.“
Welche Visionen haben Sie für den ANKÖ im Jahr 2022 und in den darauffolgenden Jahren?
„Der ANKÖ hat in den letzten Jahren viel erreicht und seine Services stetig ausgebaut. Die Marktführerschaft im Bereich e-Vergabe ist ein Ergebnis der innovativen Arbeitsweise und es gilt, diese Position abzusichern.
Die hohe Qualität der Leistungen des ANKÖ zu erhalten und in einzelnen Bereichen noch auszubauen, ist eine Herausforderung der kommenden Jahre. Eventuell gibt es bei der Vereinheitlichung und Vereinfachung von Abfragen aus Datenbanken noch Möglichkeiten einer Weiterentwicklung.
Tatsächlich sind gut funktionierende e-Services mittlerweile die Visitenkarte eines Unternehmens aber auch der öffentlichen Verwaltung.“
Wie wird sich Ihrer Meinung nach die Bedeutung des Vergabewesens für die österreichische Gesamtwirtschaft in den nächsten Jahren entwickeln?
„Die elektronische Vergabe wird sicherlich noch weitaus breiter genutzt werden, da sie sowohl für Auftraggeber- wie auch Auftragnehmer:innenseite wesentliche Vorteile bietet. Für die städtischen Dienststellen wird der ANKÖ im Bereich Direktvergabe an Bedeutung zunehmen.
Meiner Meinung nach werden die Themen Transparenz bei Verfahren und Compliance noch stärker gewichtet werden. Unternehmen, die am österreichischen Markt oder auch international bestehen wollen, müssen sehr sorgfältig auf die Einhaltung aller damit verbundenen Richtlinien achten.
Parallel dazu werden auch ökologische Aspekte im Vergabewesen abgebildet werden, Stichwort EU-Taxonomie oder Ökokauf. Es kommen also durchaus spannende Zeiten auf das Vergabewesen zu.“
Herr Stadtbaudirektor DI Bernhard Jarolim, vielen Dank für das Gespräch!
Mit Bernhard Jarolim gesprochen hat Emir Prcić, Geschäftsführer des ANKÖ.