Die „Wien Arena“, so der Name der neuen Wiener Stadthalle, wurde unlängst über einen ANKÖ Wettbewerb vergeben. Was Wettbewerbe von anderen Vergabeverfahren unterscheiden und wie das Verfahren zur Wiener Stadthalle Nachfolgerin in Neu-Marx abgewickelt wurde, lesen Sie hier.
In der ANKÖ eVergabe wurde die Planung der neuen Wiener Stadthalle als Architektur-Wettbewerb ausgeschrieben. Dieses natürlich ebenfalls vom Bundesvergabegesetz (BVergG) gesteuerte Verfahren unterscheidet sich von anderen Verfahren insofern, dass „Wettbewerbsverfahren nicht direkt auf die Auswahl des geeignetsten Bieters abzielen, sondern auf das Finden des besten Lösungsansatzes für ein Projekt.“ (Quelle: https://wien.arching.at/service/vergabewettbewerbe/wettbewerbe.html, Homepage der „zt:“, der Kammer der ZiviltechnikerInnen, ArchitektInnen und IngenieurInnen). „Wettbewerbe können“, dieser Quelle folgend, „als Ideenwettbewerbe oder als Realisierungswettbewerbe durchgeführt werden“.
ANKÖ selbst ist hierbei der geeignete Plattform-zur-Verfügung-Steller, und nicht inhaltliches Jury-Mitglied oder Projekt-Bewerter. Vielmehr bildet ANKÖ alle möglichen elektronischen Verfahrensarten ab, also auch Wettbewerbe. Die ANKÖ eVergabe bietet hierfür selbstverständlich Anonymisierung (einstufig & zweistufig) und Anonymisierung des Verfasserbriefes (anonymes Upload-Feld) an. Aktuell wird an Verbesserungen und Erweiterungen von zahlreichen festen und optionalen Funktionalitäten gearbeitet, die noch im März 2021 online gehen.
Die Beliebtheit von Wettbewerben in der ANKÖ eVergabe ist stark am Steigen. Die Anzahl dieser Verfahren hat sich von 2018 auf 2019 mehr als verzehnfacht. Von 2019 auf 2020 hat sich die Zahl nochmal verdoppelt, und 2021 wird 2020 nach derzeitiger Tendenz deutlich überflügeln.
Wer sind nun aber klassische NutzerInnen von (Architektur-)Wettbewerben? Hauptinteressent ist natürlich die Gruppe der ArchitektInnen und ZiviltechnikerInnen. ZiviltechnikerInnen wickeln hier oft die Verfahren für AuftraggeberInnen ab, wobei manche AuftraggeberInnen selbst Wettbewerbe über die ANKÖ eVergabe abwickeln, Stadt Wien, Salzburg und Graz zum Beispiel.
Stadthalle Wien NEU
Ein besonderes Beispiel für einen gelungenen Wettbewerb über die ANKÖ eVergabe ist aktuell die Vergabe der Stadthalle Wien NEU. Wie die Wien Holding mitteilte, wurde aus 48 eingereichten Projekten jenes der Wiener Architekten Christian Kronaus, Peter Mitterer und Reinhardt Gallister als bestes Projekt ausgewählt.
Anfang 2020 wurde der EU-weit offene, anonyme, zweistufige Realisierungswettbewerb zum Bau der neuen Arena gestartet und 12 Monate später stand das Ergebnis fest, was Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke gemeinsam mit Holding-Geschäftsführer Kurt Gollowitzer bekanntgab. Bis zum Herbst 2021 wird das Siegerprojekt geprüft, optimiert und feingeschliffen, hieß es.
Verfahrensorganisator war das Unternehmen „next-pm ZT GmbH“, das Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung, Planung und Realisierung von Bauprojekten hilft.
Wir haben Architekt Dipl.-Ing. Florian Hain, Geschäftsführer und Senior Projektmanager von next-pm befragt.
Herr Hain, gab es besondere Herausforderungen bei der Umsetzung des Projektes Stadthalle Wien Neu bezüglich der ANKÖ eVergabe?
Architekt Dipl.-Ing. Florian Hain: “Die Entwicklung einer neuen Multifunktionsarena mit rd. 20.000 BesucherInnenplätzen stellt für alle Beteiligten keine alltägliche Planungsaufgabe dar. Da werden Ausloberin, BeraterInnen/ExpertInnen sowie WettbewerbsteilnehmerInnen vor eine besondere Herausforderung gestellt. In der Abwicklung eines derartigen Wettbewerbes kommt es daher ganz besonders auf ein zuverlässiges Abwicklungssystem, wie das des ANKÖ, an.”
Gibt es durch die elektronische Abwicklung von Wettbewerben Vorteile?
Florian Hain: „Der größte Vorteil besteht ziemlich sicher für die WettbewerbsteilnehmerInnen, die ihre Wettbewerbsbeiträge bequem hochladen können, und nicht mehr gezwungen sind, persönlich die Unterlagen im Wettbewerbsbüro abzugeben. Ein weiterer Vorteil besteht sicher darin, dass die Wettbewerbsverfahren von der ersten Sekunde an elektronisch dokumentiert sind.“
Gibt es noch Verbesserungspotential bezüglich der elektronischen Abwicklung?
Florian Hain: „Die e-Wettbewerb-Plattform des ANKÖ hat vor rund zwei Jahren ihren Betrieb aufgenommen und stellt ein sehr zuverlässiges Verfahrensadministrations-Tool dar. Verglichen mit anderen uns bekannten Softwareanwendungen, die wir alle nahezu täglich verwenden, ist dieses Tool noch jung. Mit einer steigenden Anzahl an Wettbewerbsverfahren, die damit abgewickelt werden, und der damit ebenfalls steigenden Erfahrung in der Anwendung sowohl auf Seiten der Verfahrensorganisatoren und der Wettbewerbsteilnehmer wird es sicher Weiterentwicklungen geben.“
Gibt es Steigerung der Teilnehmer durch elektronische Wettbewerbe?
Florian Hain: „Die Teilnehmeranzahl bei Architekturwettbewerben ist stark von der Aufgabe selbst und der aktuellen Auslastung der Planungsbüros abhängig. Die Möglichkeit einer elektronischen Abgabe hat unserer Wahrnehmung nicht zwingend Auswirkungen auf die Erhöhung der Anzahl an Abgaben. Im Fall der Wien Arena war aber ein weit überdurchschnittliches Interesse an den Auslobungsunterlagen zu registrieren, was mit Sicherheit an der außergewöhnlichen Aufgabe geschuldet ist.“
Herr Hain, Vielen Dank für das Gespräch.
Mit Architekt Dipl.-Ing. Florian Hain, Geschäftsführer und Senior Projektmanager von next-pm gesprochen hat Mag. Thomas Gerstl, Marketing & Kommunikation des ANKÖ.